5. November 2026

Lebendige Veedel brauchen Erreichbarkeit

Von Oliver Kehrl. Kommentar aus der Newsletter-Fassung der MIT Köln, September 2026.

Über Parkplätze wird in Köln inzwischen fast ideologisch gestritten. Die einen wollen jeden Stellplatz erhalten, die anderen möglichst viele beseitigen. Beides führt nicht weiter. Entscheidend ist, was unsere Veedel lebendig hält.

Freie Rettungswege sind nicht verhandelbar. Wo Feuerwehr und Rettungsdienste nicht durchkommen, muss die Stadt handeln. Aber Sicherheit darf nicht zum pauschalen Argument werden, Parkplätze ersatzlos zu streichen. Vorher müssen Alternativen geprüft werden: Markierungen, andere Anordnungen, Einbahnstraßen oder Quartiersgaragen.

Der angekündigte Wegfall von 453 Stellplätzen in fünf Bewohnerparkgebieten zeigt das Problem. Wer Parkraum reduziert, ohne gleichzeitig Alternativen anzubieten, schafft keine bessere Mobilität, sondern verlagert Probleme.

Deshalb habe ich im Kölner Stadt-Anzeiger eine rechtliche Prüfung des geplanten Parkplatzabbaus in der Innenstadt angekündigt. Wir werden prüfen lassen, ob ein derart weitreichender Eingriff ohne ausreichende Berücksichtigung von Anwohnern, Handel und Gewerbe rechtlich Bestand haben kann.

Mein Grundsatz ist klar: Kein Kahlschlag nach Schema F. Erst Alternativen schaffen, dann Parkraum neu ordnen.

Denn Erreichbarkeit ist ein Standortfaktor. Einzelhandel, Gastronomie, Arztpraxen, Pflegedienste und Handwerksbetriebe sind darauf angewiesen. Der Handwerker kommt nicht mit Werkzeug und Material in der Straßenbahn. Der ältere Mensch erledigt nicht jeden Weg mit dem Fahrrad. Und der Einkauf lässt sich nicht immer im Lastenrad transportieren.

Deshalb brauchen wir Quartiersgaragen, die Nutzung privater Stellflächen am Abend, Lade- und Kurzzeitparkzonen, leistungsfähige P+R-Angebote und einen verlässlichen ÖPNV. Gleichzeitig brauchen wir sichere Rad- und Fußwege und mehr Aufenthaltsqualität dort, wo der öffentliche Raum tatsächlich neu geordnet werden sollte.

Was wir nicht brauchen, ist eine Verkehrspolitik, die Auto, Fahrrad und ÖPNV gegeneinander ausspielt. Köln besteht nicht nur aus der Innenstadt. Rodenkirchen braucht andere Lösungen als das Agnesviertel, Porz andere als die Südstadt.

Eine Millionenstadt braucht Wahlmöglichkeiten statt Verbote. Wer lebendige Veedel will, muss dafür sorgen, dass Menschen sie auch erreichen können.

Fünf Leitlinien für Köln

  1. Einzelfallprüfung statt pauschalem Parkplatzabbau
  2. Erst Alternativen schaffen, dann Stellplätze reduzieren
  3. Quartiersgaragen und private Stellflächen konsequent nutzen
  4. Erreichbarkeit für Handel, Handwerk, Pflege und Bewohner sichern
  5. Für jedes Veedel passende Lösungen statt einer Ideologie für ganz Köln