5. November 2026
Köln braucht einen Mittelstand mit Zukunft.
Wenn ein Betrieb schließt, verschwindet mehr als ein Eintrag im Handelsregister. Arbeitsplätze gehen verloren, Erfahrung und Kundenbeziehungen brechen ab. Im Veedel fehlt plötzlich ein Geschäft, eine Werkstatt oder ein vertrauter Ansprechpartner.
Der Vortrag von Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, bei der MIT Köln hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie groß diese Aufgabe ist. 2025 wurden in Deutschland rund 188.000 Unternehmen geschlossen. Nur etwa 13 Prozent dieser Schließungen entfielen auf Insolvenzen. Auch wirtschaftlich gesunde Betriebe geben auf. Fehlende Nachfolge ist einer der Gründe.
Für mich folgt daraus: Wir müssen früher handeln. Wer Wirtschaftspolitik erst dann ernst nimmt, wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig ist, kommt für viele Betriebe zu spät.
Betriebe weiterführen können
Eine Unternehmensübernahme erhält oft etwas, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Trotzdem sprechen wir darüber viel seltener als über eine Neugründung. In den bei Creditreform vorgestellten Nachfolgedaten nannten 2025 bereits 45 Prozent bürokratische Hürden. 2023 waren es noch 30 Prozent. Die Suche nach geeigneten Nachfolgern blieb mit 69 Prozent die größte genannte Schwierigkeit.
Übernahmen müssen finanzierbar sein. Die Verfahren müssen verständlich und die Ansprechpartner erreichbar sein. Banken, Sparkassen, Förderinstitute und Kammern sind dafür wichtige Partner. Gerade Familienunternehmen und Handwerksbetriebe brauchen Unterstützung, bevor die Frage der Nachfolge zur Existenzfrage wird.
Gründungen leichter machen
Köln hat Hochschulen, Menschen mit Ideen und unternehmerische Erfahrung. Daraus müssen mehr neue Unternehmen entstehen können. Dazu gehören schnellere Genehmigungen, Zugang zu Kapital und Freiraum, um ein Geschäftsmodell auszuprobieren.
Mein Maßstab ist die Erfahrung derjenigen, die tatsächlich gründen: Wissen sie, wer entscheidet? Können sie mit einer Antwort planen? Müssen sie dieselben Angaben mehrfach einreichen? An solchen Fragen zeigt sich, ob eine Verwaltung Unternehmertum ermöglicht.
KI und Robotik in die Betriebe bringen
Technischer Fortschritt darf nicht an den Türen unserer mittelständischen Unternehmen vorbeigehen. Forschung und Betriebe müssen leichter zusammenfinden. Entscheidend ist, wo KI und Robotik konkret helfen: bei knappen personellen Ressourcen, in der Produktion und bei der Entwicklung neuer Angebote.
Ich möchte, dass diese Wertschöpfung in Köln und unserer Region entsteht. Dafür brauchen Unternehmen verlässliche Bedingungen und Menschen, die den Transfer aus Forschung und Entwicklung in die Praxis organisieren.
Unternehmensnachfolge, Gründungen und neue Technologien gehören für mich zusammen. Bestehende Stärke bewahren und Neues ermöglichen: Daran will ich Wirtschaftspolitik für Köln und NRW messen. Die Arbeitsplätze schaffen Unternehmerinnen und Unternehmer. Politik muss ihnen dafür den nötigen Raum geben.
Grundlage: Olivers LinkedIn-Beitrag vom 2. November 2026 und die Creditreform-Präsentation beim MIT-Abend in Köln vom selben Tag, Folien 22 bis 24 und 28. Die Schließungszahlen beziehen sich auf Deutschland im Jahr 2025; die Angaben zu Nachfolgehürden erlauben Mehrfachnennungen.